#17 In der Atacama Wüste

Die Ruhe tut mir gut. Erst jetzt merke ich wie geschafft ich bin und ich genieße die Ruhe und die Zeit für mich. Ich schlafe aus, erkunde ein wenig die kleine Stadt, warte mein Moped und die Ausrüstung. Die Stadt liegt strategisch inmitten der Atacama Wüste und von hier kann man in vielen kleinen Exkursionen die Sehenswürdigkeiten der Umgebung erkunden.

Nachdem es die letzten Tage morgens immer schon stark bewölkt war, starte ich an diesem Tag recht früh ins „Valle de la Luna“… das Tal des Mondes. Es liegt nur wenige Kilometer außerhalb der Stadt und ist einfach zu erreichen. Es ist kühl als ich den Motor starte und den Innenhof meiner Unterkunft verlasse. Wenig später bin ich am Eingang des Parks und bezahle 2500 Pesos, umgerechnet 2,80 € Eintritt. In dem Buch, wo jeder Besucher sich registrieren muss, sehe ich, dass ich der Erste des heutigen Tages bin. Nach fünf Kilometer Schotter beginnt eine faszinierende Landschaft, die abwechslungsreicher nicht sein könnte. Schroffe Gebirgsformationen wechseln sich mit hohen Dünen und Bergen in jeglichen Farbtönen, die die Wüster hergibt, ab. Es ist herrlich, hier im Schleichgang mit dem Motorrad hindurchzufahren und alle unglaublichen Eindrücke auf sich wirken zu lassen. Schnell steigen die Sonne und auch die Temperaturen. Nach und nach kommen auch die Touristen und bevor es mir zu voll wird, verlasse ich nach zwei Stunden diese absolute Sehenswürdigkeit. Als der Parkwächter hinter mir das Gate schließt, ist es 9:30Uhr.

Ich halte noch an einer Tankstelle, um mir einen Kaffee zu trinken, denn mein Frühstück ist heute mal wieder ausgefallen. Als ich dort so stehe und meinen Kaffee trinke, hält dort auch ein bepacktes Motorrad aus Argentinien. Natürlich begrüßen wir uns und tauschen Neuigkeiten über Strecken und Orte aus. Augustin ist Anwalt und kommt aus Buenos Aires. Er fährt eine Honda CRF250L, die mit ein paar Teilen zum Reisemotorrad umgebaut wurde. Ein größerer Tank, Seitentaschen und ein hohes Windschild machen sein Gefährt reisetauglich. Als beide Motorräder so nebeneinander stehen, könnte der Unterschied nicht größer sein. Sein Motorrad ist sehr zierlich und wirkt neben meiner Reise-Trude wie ein Motorrad für Kinder. Der Vorteil liegt aber auf der Hand, denn die CRF wiegt bepackt bestimmt nur halb so viel, wie meine Africa Twin. So manches Mal in den letzten Wochen, habe ich mir ein deutlich leichteres Fahrzeug gewünscht. Man kann mit meiner Twin, auch bepackt schon recht viel machen, allerdings werden die Passagen ausgesetzter, beginnt erst hier der Spaß mit einem leichten Zweirad. Vor meiner Reise hatte ich mir auch überlegt, mit welchem Gefährt es wohl am meisten Sinn macht. Aber das Abwiegen von Streckenzuständen, lies meine Wahl auf alt Bewährtes fallen. Ich fahre aktuell 60 % Asphalt und 40 % Schotter oder Pisten, davon sind weniger als 5 % wirklich heftige Passagen. Und genau für diese Art der Streckenbeschaffenheit gehört meine alte Twin noch mit zu dem Besten, was es auf dem Motorradreisemarkt so gibt. Das einzige was ich tatsächlich ändern würde, wäre die Beladung. Beim nächsten Mal gibt es weder Fotoapparat, Laptop und viele Kleinigkeiten, die zuhause bleiben würden. Auch würde es keine Koffer, sondern Softbags geben. Wenn ich wirklich alles, was ich bisher nicht oder selten benutzt habe, zurücklassen würde, würde ich mir bestimmt meine Gepäckrolle sparen.

Gegen Mittag verabschieden Augustin und ich uns, da mittlerweile der Paso Jama wieder geöffnet ist. Dieser war den ganzen Morgen gesperrt, da ein großer Teil des Passes vereist war. Ich werde mir noch zwei Salzseen ansehen und ein bisschen Offroadwandern.

Bis zu den Lagunen sind es ca.70 Kilometer Piste, die sich als traumhaft fahrbar präsentieren. Meine Fahrt ist zügig auf dem glatten mit leichtem Splitt überzogenen Weg. Ab und zu kann ich es einfach nicht lassen, mich in die Fußrasten zu stellen und mit leichtem Drift die nächste Kurve anzusteuern. Es geht in Richtung Salar de Atacama und die Vegetation ist hauptsächlich von hüfthohen Büschen geprägt. Leider ist es wieder bewölkt und die Lagunen können in dem faden Licht nicht all ihre Schönheit zeigen. Trotzdem war es ein sehr schöner Fahrtag.

Abends schlendere ich noch ein wenig durch die Innenstadt von San Pedro. Sie ist durch und durch touristisch geprägt. Ein Restaurant folgt dem Nächsten und es gibt dutzende von Tour-Anbietern, bei denen man alles Erdenkliche buchen kann. Von Bergbesteigungen, Wüstentouren, Mountainbike-Ausfahrten bis hin zum Snowboard fahren auf den größten Dünen. Komischerweise stört es mich heute nicht, den Massen zu begegnen.

Der nächste Tag vergeht wie der vorherige … ruhig. Ich bereite meine Ausrüstung vor und stocke die Vorräte auf. Morgen soll es in die Atacama Wüste gehen. Eine Campsite in einer guten strategischen Lage soll mir als Stützpunkt für Tagesrunden dienen. Das spart An- und Abfahrten in die Zielgebiete sowie Zeit bei dem Auf- und Abbau des Lagers. Als alles fertig vorbereitet ist, gehe in Richtung Stadt, denn ich habe einen Tipp bekommen, wo man gut und günstig essen kann. Ansonsten ist das Leben hier in Chile sehr teuer. Selten bekommt man eine Tasse Kaffee unter 2 € und auch die Pizza kostet zwischen 10 – 15 €. Aktuell bezahle ich für mein Zimmer mit Bad und Gemeinschaftsküche 22 €. Argentinien kostet dagegen nur die Hälfte.

Ich finde die Hütte mit dem gelobten Restaurant. Es ist voll und fast ausschließlich einheimische Besucher füllen den kleinen Gastraum. Was mir sofort positiv auffällt, man betritt den Gastraum durch die Küche, welche nur durch einen Tresen den Arbeitsbereich abtrennt. In der Küche werkeln viele kleine Hände von durchaus gestandenen Frauen. Alle haben weiße Kittel an und tragen Haarnetze. Wie immer in solchen Gasstätten gibt es auch hier keine Karte und damit auch keine Preisliste. Als meine Bedienung mir die Tagesgerichte aufzählt, höre ich nur Carne … worauf ich dieses bestätige. Als sie mir die Beilagen aufzählt, wähle ich Reis und Salat. Die junge Bedienung mit der großen Zahnlücke, auf die sogar Ornella Muti neidisch gewesen wäre, zockelt ab in die Küche und ich bin gespannt, was auf meinem Teller landen wird. Alles geht schnell und geordnet, nicht der typische südamerikanische „go laisy“ Stil. Keine drei Minuten später kommt sie grinsend mit meinem Teller in der Hand aus der Küche geschossen. Als sie mir mein Essen hinstellt, läuft mir schon das Wasser im Mund zusammen! Es gibt eine Art Schmorbraten vom Schwein mit einer kräftigen und gut abgeschmeckten Soße, gut gesalzenen Reis und Salat. Das Fleisch ist butterweich und schmeckt hervorragend. Ich freue mich riesig über mein Gericht und lasse es mir so richtig schmecken. Als ich die Bedienung nach einem Nachschlag an Soße frage, deutet sie mir an, ich soll einfach mit dem Teller in die Küche gehen. Dort angekommen freut sich die Köchin über mein Lob und erfüllt mir strahlend meinen Wunsch. Häufig gibt es in solchen Restaurants kein Bier, die Konzession dafür wäre zu teuer. Als ich die Rechnung erhalte bin ich erstaunt, denn das Essen mit Getränk und Kaffee kostet insgesamt keine 5 €. An diesem Abend gehe ich satt und zufrieden ins Bett.

Am nächsten Tag bin ich wieder früh unterwegs. Einerseits will ich der Hitze des Tages entkommen und zweitens möchte ich mir früh einen guten und schattigen Platz sichern. Nach 75 Kilometern befahre ich den „Topic of Capricon“, den südlichsten Wendepunkt der Sonne. Nachdem ich meine Bilder gemacht habe, hält ein Auto und ich lerne ein junges Paar aus Kalifornien kennen. Ich freue mich sehr über ein wenig Konversation mit den beiden, was aufgrund meiner fehlenden Sprachkenntnisse, hier sehr sonst schwierig ist. Wir verstehen uns auf Anhieb gut und als wir uns verabschieden, bekomme ich noch eine Einladung in ihr Haus in den Sunny State. Mal sehen, eventuell ergibt es sich ja auf meiner Durchreise.

Auf dem Campsite angekommen, stelle ich leider fest, dass es hier keinen Schatten gibt, und ich baue mein Zelt in der prallen Sonne auf. Man kann halt nicht immer alles haben. Eigentlich ist es kein Campingplatz, sondern es sind öffentliche Naturpools, die mit Wasser aus den Bergen geflutet werden. Da es noch Vormittag ist, ist noch nichts los, was sich aber bei meiner Rückkehr deutlich ändern soll.

Schnell bin ich wieder auf dem Motorrad, um meine geplante Runde über den „Salar de Atacama“ zu fahren. Dort angekommen breitet sich ein riesiger Salzsee vor mir aus, der bis zum Horizont reicht. Das Salz ist teilweise kniehoch und bizarr geformt. Man kann hier nicht wie auf dem „Salar de Uyuni“ einfach querfeldein fahren, sondern muss bestehende Pisten nutzen. Nach kurzer Fahrt halte ich an, um die außergewöhnliche Landschaft zu genießen. Es herrscht Totenstille …! Nichts ist zu hören, kein Wind kein Vogel oder sonst ein von Menschen erzeugter Klang. An solchen Orten merke ich immer, wie klein man selber ist und wie gigantisch die Natur. Mit einem demütigen Gefühl fahre ich weiter. Auf einer meiner Karten habe ich einen kleinen Weg gefunden, der sich um den ganzen südlichen Teil des Salzsees schlängelt. Beim Einbiegen auf die Piste, bin ich gespannt, wie der Pistenzustand ist. Aber alle Sorgen sind umsonst. Eine gut befahrbare Sandpiste liegt vor mir und ich habe einen riesigen Fahrspaß. Man merkt sofort das fehlende Gewicht meiner zurückgelassenen Ausrüstung.

Bei solchen Exkursionen habe ich immer zwei Devisen. Erstens…fahre niemals irgendwo rein oder durch, wo du nicht zurückkommen könntest, und zweitens… fahre nur Wege, die im GPS stehen. Ist ein Abzweig auch noch so verführerisch, trifft eine der beiden Devisen zu, wird er nicht befahren. Bisher habe ich auf dieser Art und Weise meistens immer wieder sicher nach Hause gefunden. So wird es auch heute ein sehr schöner Endurotag mit unglaublichen Aussichten auf atemberaubende Landschaften. Als ich zum Camp zurückkehre, ist es bereits später Nachmittag und in den Pools räkeln sich viele Gäste.

Zwei Stunden später ist der Spuk vorbei, da die Anlage schließt. Ab nun habe ich alles für mich allein, denn ich bin der einzige Übernachtungsgast. Nach einem erfrischenden Bad und einem kalten Bier, genieße ich dann noch einen schönen Sonnenuntergang, bevor ich in mein noch immer sehr warmes Zelt krieche. Es ist bereits spät, als der heftige Wind nachlässt und ein unglaublicher Gestank sich breit macht. Bisher habe ich diesen nicht wahrgenommen, aber nun ist er kaum auszuhalten. Ich schlüpfe aus dem Zelt und sehe nach, was es damit auf sich hat.

Mit meiner Taschenlampe suche ich den Bereich hinter dem Zaun ab und finde die Ursache. Der örtliche Schweinestall liegt nur 10 m hinter meinem Zelt und der fehlende Wind lässt mich nun in seiner Dunstglocke ausharren. Kopfschüttelnd versuche ich weiterzuschlafen, was mir auch irgendwann gelingt.

Am Morgen, es ist bereits 8:00 Uhr, laufe ich in den sehr beschaulichen Ort, um mir mein Frühstück zu besorgen. Ich finde einen kleinen Kiosk, wenn man es so nennen kann, und bekomme etwas Gebäck und eine Tasse Kaffee. Zu meiner Überraschung gibt es sogar ein recht schnelles Internet. Warum wir es in Deutschland in verschiedenen Regionen unseres Landes bis heute nicht schaffen, ein vernünftiges und schnelles Internet bereitzustellen, verstehe ich bis heute nicht. Hier am Ende der Welt, die nächste große Stadt ist hunderte Kilometer entfernt, kann ich problemlos Videotelefonie über das kostenlose WLAN des örtlichen Tante Emma Laden machen.

Bei uns in Deutschland…unmöglich!

Als ich das Wetter für die nächsten Tage checke, werde ich überrascht. Eine wolkenfreie und sonnige Periode soll in drei Tagen folgen. Ich überlege nicht lange und plane meine gesamte Route um. Warum jetzt hier fahren, wenn in wenigen Tagen in dieser Region die Sonne scheinen soll und die wolkenfreie Aussicht, mir dann endlich den Anblick auf die umliegenden Vulkane freigeben soll.

Schnell ist das Camp abgebaut und ich beschließe, noch heute die Atacama zu queren, um an die Küste zu fahren. Dort möchte ich eh hin, um mir eine neue Reserve-Benzinpumpe zu kaufen.

Eine Stunde später befinde ich mich bereits auf der Piste Richtung Antofagasta. Bis dort sind es 300 km Offroad. Ich stelle mich auf das Schlimmste ein und werde wieder von einer hervorragenden Salzpiste überrascht. Die Piste, so erfahre ich später, hat eine große Firma bauen lassen, die hier im industriellen Stil Salz abbaut. Zügig komme ich voran und kann in Ruhe die Landschaft genießen, was bei schlechter Straße unmöglich wäre. Zu sehr muss man auf Unwegsamkeiten achten und kann nur selten den Blick von der Piste nehmen. Die Strecke führt durch alle erdenklichen Formen der Wüste. Steinwüsten folgen Sandwüsten, Berge wechseln sich mit endlosen Tälern ab und dem Auge wird hier alles geboten, was man sich in einer Wüste vorstellen kann. Wenige Stunden später erreiche ich die sehr große Stadt Antofagasta. Hier leben rund 350.000 Einwohner und es sieht hier ein wenig aus wie an der Copacabana in Rio. Da der örtliche KTM Händler leider seinen Laden letzten Monat geschlossen hat, fällt der Kauf der Benzinpumpe ins Wasser. Ich überlege und suche einen anderen Motorradladen, der mir weiterhelfen soll. Als ich ihn auf einer anderen Straßenseite dann sehe und drehe, merke ich plötzlich ein äußerst schwammiges Fahrgefühl. Mein Blick wandert direkt auf die Reifendruckkontrollanzeige….völliger Druckverlust im Hinterrad. Ich muss lachen …! Da bekomme ich meinen zweiten Platten und ich befinde mich direkt vor dem einzigen Honda Händler weit und breit. Manchmal meint das Schicksal es auch gut mit einem zu meinen.

Direkt fahre ich in die Werkstatt und stelle das Motorrad ab. Der Chef begrüßt mich freundlich und fragt nach dem Problem. Ich deute auf den platten Hinterreifen und frage, ob er mir helfen könne. Keine fünf Minuten später ist das Rad ausgebaut und geht per Mopedkurier zum nächsten Reifenhändler. Man bietet mir einen Kaffee an und wir plaudern ein wenig über Motorräder und die Rallye-Dakar, die hier in den letzten Jahren stattgefunden hat. Er kennt sich gut aus, denn der Händler war Hauptsponsor eines der Teilnehmer und hat als Dank von dem Fahrer die Teilnahmemedaille bekommen. Nur eine halbe Stunde später kommt der Kurier mit meinem geflickten Reifen zurück, welcher dann innerhalb Minuten wieder montiert ist. Die ganze Aktion dauert keine Stunde und ich freue mich über die mir ersparte Montage am Straßenrand.

Es ist erst 14:00 Uhr und ich beschließe, noch kurz das Monument „Mando del Diserto“ zu besuchen, bevor ich mein Lager aufschlage. Es ist später Nachmittag als ich auf dem Campingplatz ankomme.

Das Zelt wird fix aufgestellt, um danach in die Stadt zu gefahren und etwas zu essen. An der Promenade reihen sich Hochhaus an Hochhaus. Eigentlich möchte ich nur eine Kleinigkeit essen, bis…ja bis ich das große goldene M von McDonalds sehe. Zuhause gehe ich so gut wie nie zu Mäckes, aber hier und jetzt geht daran kein Weg vorbei. Es ist angenehm kühl, als ich den größten Burger aus dem Programm bestelle. Kurz darauf sitze ich mit Blick auf den Strand an einem Tisch und habe mein Abendessen vor mir. Noch nie und ich betone … noch nie!! hat mir ein Burger dieser Kette so gut geschmeckt wie in diesem Augenblick. Die Sauce klebt mir an den Wangen und ich genieße jeden der Bisse. Dazu gibt es natürlich eine Portion Pommes Frites … und diese sind nicht wie überall in Südamerika pappig und ungesalzen, nein diese sind eine Offenbarung des Fastfoods. Am Strand ist die Hölle los. Hunderte drängeln sich unter bunten Schirmen auf dem kleinen Abschnitt, so dass man kaum noch Sand sieht.

Auf dem Weg zurück wird die Besorgung des Feierabendbieres zum Spießrutenlauf. Erst beim fünften Shop bekomme ich mein sehr verdientes Kaltgetränk. Der Abend ist lau und ich sitze mit Blick auf den Pazifik auf einer Klippe, wo ich mein Zelt aufgeschlagen habe.

Als ich vom Duschen zurückkomme, parkt direkt neben meinem Zelt ein alter Pickup und die Besitzer bauen gerade ihr Camp auf. Christie kommt aus UK und Mario aus Venezuela. Beide haben sich für den Lebensstil als Surfer entschieden und tingeln von Surf-Spot zu Surf-Spot. Ich sehe den beiden zu und muss wieder einmal feststellen, wie komfortabel das Reisen doch mit einem Auto ist. Immer kaltes Bier, immer einen trockenen Schlafplatz und immer das eigene Bett dabei. Häufiger ist mir schon der Gedanke gekommen, auch mit meinem VW Bus solch eine Tour zu machen. Natürlich ist die Verschiffung deutlich teurer und der Kraftstoff ist mehr, aber die Kosten relativieren sich schnell über die Unterbringungskosten. Rechnet man pro Tag allein 15 € für einen Schlafplatz, sind die Mehrkosten schnell gedeckt. Gerade hier in Südamerika wo es häufig sehr windig ist oder es auch viel regnet, spielt ein Auto alle seine Vorteile aus. Ich kann mir gut vorstellen, mit geöffnetem Fenster, in einer kurzen Hose und einem Kaltgetränk eine solche Tour zu fahren. Letzte Woche hat mir ein Argentinier direkt 10.000 $ für mein Motorrad geboten. Ein schöner VW-Bus, der zum Camper umgebaut ist, kostet in Brasilien keine 5000 $. Die Versuchung ist da und sie ist nicht klein.

Der Abend wird kurzweilig und wir lachen viel. Bevor die beiden am nächsten Morgen aus ihrem Bett klettern, bin ich schon wieder auf der Straße. Ich fahre wieder zurück nach San Pedro und werde meine alte Unterkunft beziehen, mit der Hoffnung, dass die Wetterprognose stimmt. Der Fahrtag ist eher langweilig, da es nur Hauptstraßen von hier aus in meine Richtung gibt. Mich stört es aber nicht, einfach mal in Ruhe meine Kilometer abzuspulen. Mittags erreiche ich mein Ziel und bereite mein Motorrad für den nächsten Tag vor.

Es scheint die Sonne und ich kann den wolkenfreien Horizont sehen, als ich wach werde. Binnen einer halben Stunde sitze ich auf meinem Gefährt und fahre in die Region, wo es viele Salz-Lagunen und unzählige Vulkane gibt. Die Straße schlängelt sich wild in die Berge und es ziehen leichte Wolken auf. Nach gut einer Stunde erreiche ich den Parkeingang und bezahle einen stolzen Obolus an Eintritt. Die Piste ist ab hier fürchterlich. Heftigstes Wellblech begleitet mich über Kilometer und ich zweifele schon an meiner Routenwahl. Der Höhenanzeiger im Navi klettert auf über 4500 m und die Luft wird dünner. Als ich über die letzte Kuppe fahre, stockt mir der Atem.

Dies ist die Landschaft, auf die ich solange gewartet habe. Ich muss anhalten, um diesen Anblick zu verarbeiten. Dutzende schneebedeckte Vulkane säumen den Horizont, blau-grüne Lagunen liegen eingebettet zwischen diesen schier endlosen Tälern. Der Himmel ist stahlblau und von einzelnen kleinen Wolken bestückt. Wow … mir fehlen die Worte. Ich kann mich nicht sattsehen.

Von hier aus geht es knapp 200 km quer durch diese überwältigende Landschaft. Ein wenig mulmig ist mir schon, denn ich weiß, wenn ich hier oben ein Problem bekomme, dann wird es wahrscheinlich recht unlustig. Denn es wird Tage dauern, bis mir hier jemand zu Hilfe kommt.

Dementsprechend vorsichtig fahre ich weiter. Die Natur zeigt hier alles, was sie zu bieten hat.

Ich muss alle fünf Minuten anhalten, um dieses Schauspiel in Ruhe anzusehen. Immer wenn ich denke, dass es nicht schöner sein kann, werde ich kurz darauf eines Besseren belehrt. Die Piste ist äußerst anspruchsvoll zu fahren. Teilweise quere ich die Ausläufer der Lagunen, die sich beim Durchfahren als sehr schlammig herausstellen. Nur die oberste Schicht ist hart, darunter aber ist klebriger Ton, der mich hin und wieder zu Vollgasorgien zwingt. Es vergeht Stunde um Stunde und ich merke die Anstrengung der Höhe von mittlerweile knapp 5000 m. Das Atmen fällt schwer und die Fotostopps enden häufig mit Schwindel. In den Lagunen stehen Flamingos und am Ufer äsen Lamas und es sieht aus wie ein Werbefoto aus einem Hochglanzmagazin. Immer wieder muss ich mir bewusst machen, wo ich hier bin und welch Glück ich doch noch habe, dieses Spektakel wolkenfrei sehen zu dürfen. Es ist bereits später Nachmittag als ich zurück zur Hauptstraße finde. Eigentlich hatte ich vor, eine zusätzliche Schleife zu fahren, bin aber am Ende meiner Kräfte. Ich muss dringend etwas warmes Essen und ein koffeinhaltiges Getränk zu mir nehmen.

So rolle ich entspannt ins Tal und freue mich riesig über das Erlebte. Der Abend wird kurz, denn ich bin todmüde.

Heute ruhe ich mich aus, schreibe im Halbschatten der Gartenbäume diesen Blog und plane die nächsten Strecken. Hier gibt es noch eine unglaubliche Menge zu entdecken und ich beschließe, so lange hier zu bleiben, bis ich alles erkundet habe.

5 Kommentare zu „#17 In der Atacama Wüste“

  1. Georg Morgenthaler

    Wow Danni, wieder ein kaum zu tippender Reisebericht. Ich war Januar 1998 auch ein Paar Tage in San Pedro, bin aber nicht so viel rumgekommen wie du. Die Gegend dort ist schon beeindruckend und du schaffst es dies auch noch spannend zu erzählen. Toll. Bin mal gespannt wie lange du es dort noch aushälst.
    Gruß
    Schorch

  2. Hallo Danni,
    DANKE as Du uns wieder mit diesem tollen Kapitel an Deiner Reise teilhaben lässt !
    Interessant fand ich den Part mit dem “Übergepäck”. 😉

    Ich hatte seinerzeit bei der Vorbereitung der PanAm-Reise unsere FAT Elenore ( Fahrbelwesen.de ) mit Julia “Probe gepackt” und ihre A-Twin war danach gut austariert.
    Leider kam dann bis zur Abreise noch das ein oder andere “Muß noch mit Item” dazu.
    Die ersten Tage taumelte sie dann mit einer völlig überladenen Moppete durch die Tundra.
    Ich gab ihr dann den Tip, max. 2 Wochen zu beobachten, welche Ausrüstungsgegenstände sie tatsächlich gebraucht hat und den ganzen Rest entweder zu verschenken, wegzuwerfen oder ein dickes Paket nach Hause zu schicken.
    Hat sie beherzigt und tatsächlich ihr Gepäck um fast 25kg (riesen Packsack) reduziert und fortan eine deutlich unbelastetere Reise genossen.
    Ist evtl. ja auch ein Tip für Dich. 😉

    Ich wünsche Die weiterhin viel Spaß und freue mich auf weitere schöne Bilder und Abenteuerberichte.

    Gruß aus dem wilden Westerwald !
    Achim

  3. Hi Danni, schöne Grüße aus deiner Heimatstadt.
    Dein Bruder hat mir von deiner Reise berichtet, worauf ich mich umgehend daran gemacht habe, deine Erlebnisse zu verfolgen. Ich bin total begeistert, was du alles erlebst und wie du alles erzählst. Mach weiter so, ich werde dich weiter begleiten.
    Bleib gesund, ganz viel Spass weiterhin auf deiner Reise.
    Grüße aus Haltern, Hansi Peters

  4. Hiho Danni,

    das sind wirklich absolut fantastische Bilder und Reiseberichte von Dir.
    Ganz toll, lieben Dank dafür.
    Bleib gesund und munter.
    Viele Grüsse aus Good Old Germany von
    Ahli jun., sen. und Renate.

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