#8 Ab in die Berge

Es ist spät als ich heute aufbreche! Die komfortable Unterkunft der letzten Nacht, inklusive Internet und dem bequemen Sofa, lassen mich heute morgen ein wenig länger verweilen.

Ich mache meine elektronische Post und bringe die Website auf den aktuellsten Stand. Als ich starte ist bereits 12:00Uhr, dieses ist aber nicht so tragisch, da ich mir bereits für heute Abend ein Zimmer in einem Hostel in dem 200km entfernten Pucon reserviert habe. Aktuell fahre ich einen durchschnittlichen Schnitt von ca. 50km pro Stunde, so das ich mit Fotostopps und den einen oder anderen Kaffee gegen 17:00 Uhr vor Ort sein sollte.

Schnell verlasse ich die Stadt Richtung Osten und hoffe heute endlich die ersehnten schneebedeckten Vulkane zu sehen. Die Straße steigt schnell an und ich mache ein paar Höhenmeter und stelle dabei wieder fest, das sich die Außentemperatur binnen einer guten Stunde deutlich ändert. Beim Start hatte ich noch angenehme 22’C die jetzt bereits auf 13-14’C gefallen ist.

Die Landschaft ändert sich auch von der flach hügeligen weiten Landschaft in schmalere Täler und höhere Berge. In den Tälern liegen schöne satt grüne Weideflächen auf den kräftige Rinder äsen.

Wenn ich die Tiere da so stehen sehe, bekomme ich schon Hunger und freue mich auf mein erstes Asado, das so typische südamerikanische Grillfest, bei dem die Kuh quasi am Stück aufs Feuer gelegt wird. Natürlich ist das nur sinnbildlich gesprochen, das Rind wird in sehr große Stücke tranchiert und mit Hilfe eines Gestelles vor das offene Feuer gestellt. Man kennt diese Art der Zubereitung von den Lachsständen auf dem Weihnachtsmarkt, wo auch dort die Fischhälften vor dem Feuer aufgestellt werden. So auch hier, nur mit Rindern.

Häufig quere ich an diesem Tag Gebirgsflüsse die Richtung Pazifik strömen. Gerade an diesen Stellen ist die Vegetation sehr üppig und die Bäume formen sich zu einer Art Tunnel. Wie ich später erfahre regnet es in dieser Region zehn von zwölf Monaten. Man könnte denken man ist bereits in Mittelamerika. Der Weg schlängelt sich weiter an viele stahlblauen Seen vorbei , die mit dem Grün der Vegetation einen besonders schönen Kontrast bilden. Leider wird es immer bewölkter und das Erspähen, der in den Wolken verstecken Vulkane wird immer schwieriger.

Als ich in Pucon ankomme merke ich schnell, das dies nicht meine Stadt wird. Eine ausschließlich auf den Tourismus ausgerichtete Stadt, mit allem was dazu gehört. westliche Musik schalt aus den Kneipen, überall Werbeschilder für Touristentouren und von der friedvollen Natur nichts mehr zu sehen. Mein Bett habe ich heute in einem Hostal, welches Anfang noch leer und gemütlich ist. Das ändert sich schnell als eine 30 köpfige Jugendgruppe ankommt. Sie sind kirchlich organisiert und gehen hier zwei Wochen lang Wildwasser mit ihren Kajaks fahren. Die Kids haben ausgelassenen Spaß, mich aber nervt es nicht weiter, da ich selbst einen sehr entspannten Tag hatte. Es ist spät als ich schlafen gehe! Das Fenster ein wenig geöffnet steigt mir mal wieder ein besonderer Duft in die Nase.

Der Hostel-Vater in diesen Fall Antonio 25 Jahre alt, muss sich auch wohl von dem Stress mit der Jugendgruppe erholen und raucht sich eine Etage unter mir erstmal einen dicken Joint, bei ruhigen lateinamerikanischen Klängen.

Der Morgen läßt mich frösteln, es sind nur noch 7’C. Unbeirrt packe ich fix das Moped, bereite mir meinen Kaffee zum Mitnehmen und verlasse diesen hektischen Ort.

Es folgt ein sehr schöner Fahrtag mit 275km durch Chiles Natur. Es fallen die vielen unterschiedliche Vogelsorten auf. Große und kleine Greifvögel, Störche und Schwärme von grünen Sittichen. Chile ist ein Traum für jeden Ornithologen.

Unterwegs halte ich an einem gut besuchten Straßenimbiss und bestelle mir zwei Empanadas. Auch so ein Ding aus Südamerika. Dieses traditionelle Gepäck gefüllt mit allem was man sich vorstellen kann. Von gehacktem Rindfleisch, Vegetarisch oder auch mit gemischten Meeresfrüchten, schmecken sie hervorragend und kosten ungefähr einen Euro.Auch sind sie als Snack für unterwegs perfekt.

Früh erreiche ich das Städtchen Futrono. So liebe ich es. Klein und beschaulich. Die Kinder spielen mit bunten Bällen auf der Straße, Frauen mit den wildesten Kopfbedeckungen tauschen ihre Neuigkeiten aus, halt alles super entspannt.

Das merke ich auch als ich das Motorrad abstelle, um noch eine Kleinigkeit essen zu gehen. Ich packe gerade mein Helm und den Rest der losen Ausrüstung zusammen, als ein alter Mann mit sonnengegerbten Gesicht zu mir sagt, ich solle alles so lassen, er passe auf das Moped auf. Ihm gehört einer von zigtausenden Minimärkten, die Alles und auch Nichts haben. Man bekommt von der Klobürste bis hin zur Zündkerze alles. Jeder schlägt hier wieder die Hände über den Kopf zusammen und denkt..wie kannst du ein vollbeladenes Moped mit allen Wertsachen bestück einfach an einer Straße stehen lassen. Ich höre hier auf mein Bauchgefühl und bin auf allen meine Reisen bisher noch nie enttäuscht worden.

Zielstrebig gehe ich in ein Restaurant, indem es zugeht wie in einem Taubenschlag. Wo soviel Andrang ist, ist meistens das Essen gut und günstig. Als ich platzgenommen habe kommt eine junge etwas zu prall geratene Bedienung in zu engen Hosen. Ich denke, …“wenn sie die Tochter des Chefs ist, …dann ist das Essen gut!“

Auf meine Bitte mir die Karte zu bringen, redet sie los wie ein Wasserfall…ich interveniere mit dem üblichen …“ ich spreche nur ein wenig spanisch…“Sie hört mir zu, nickt und redet weiter…! hä..!Ein Tischnachbar erklärt in gebrochenem Englisch, es gibt keine Karte, nur Tagesgericht! Aaah..Ok, das kann ich! Ich bestelle ganz stolz auf spanisch das „menu del dario“ !Funktioniert eigentlich immer wenn man die Speisekarte nicht lesen kann. Es ist immer frisch in großen Mengen gekocht und wartet nicht seit Tagen im Kühlschrank auf Nachfrage.

Man serviert mir ein auf offenem Feuer gegrilltes halbes Hähnchen mit Reis, Salat, Brot und das darf natürlich nicht fehlen…Salsa, Soßen in verschiedensten Geschmacksrichtungen. Das Essen ist hervorragend und kostet mit Coke und Kaffe zusammen nur 4,50€.

Schnell gehe ich noch bei meinem Parkwächter noch ein paar Bierchen kaufen um der Unterhopfung zu entgehen. 15 Minuten später sitze ich auf der Sonnentrasse meines heutigen Zuhauses und lasse das verdiente erste Bier zischen.

Es ist bereits Sonnenuntergang und ich sitze immer noch auf der ins Abendlicht getauchten Terrasse und blicke über die saftigen Wiesen hinunter auf den Lago Ranco. Soviele Eindrücke in den letzten Tagen, ich habe das Gefühl ich bin schon deutlich länger unterwegs. Auf dem Tacho stehen erst kanpp 1500km.

Warum diese gewaltige Aussicht mich noch nicht zu 100% ergreift und mich komplett erfüllt kann ich nicht wirklich sagen. Es liegt wahrscheinlich daran, dass wenn man sein Leben lang in Deutschland wohnt und mit dem jährlichen Urlaubstagen auskommen muss und noch nie in den Genuss gekommen ist, auf einer so langen zu Reisen sein. Auf meinen bisherigen Reisen war es immer so, dass ich ein beschränktes Zeitvolumen hatte und deshalb ich immer einen innerer Drang verspürte weiter fahren zu müssen. Man könnte ja etwas verpassen, wenn man zu lange ruht.

Ich weiss nicht wie ich es anders beschreiben soll, aber nun bin ich Langzeitreisender und habe Zeit im Überfluss. Mein Unterbewusstsein drängt mich aber immer wieder, mich nach den gewohnten Mustern zu verhalten. Einfach mal sitzen bleiben und wenn es Tage dauert bis man wieder aufbricht, das kann ich noch nicht. Dieses ist für mich auch eine neuen Erfahrung die ich auch erst lernen muss. Es wird nicht von jetzt auf gleich passieren, dass ist mir klar, bin aber auch wirklich gespannt wann es passiert…dieses einfach in den Tag, Woche oder in Monat hineinleben…abwarten und sich erstmal zurücklehnen.

Man ist halt doch durch und durch geprägt von dem typisch deutschem Lebensziel. Immer schneller, weiter und höher muss man streben. Noch mehr Konsum, ein besseres Auto, das neuste Handy, einen besser bezahlten Job, der natürlich auch um ein wesentliches stressiger ist oder sonst ein völligen Quatsch den wir eigentlich nie benötigen. Ich glaube, dies alles ist nur eine Ersatzbefriedigung für unser durch und durch stressigen und unbefriedigenden Lebensalltag.

Gerne hätte ich, die in sich gekehrte Ruhe eines buddhistischen Mönches…nie in Hektik, kein Konsum und einfach nur zufrieden mit dem Wenigen was man tatsächlich täglich benötigt.

Aber was benötigt man um wirklich glücklich zu sein? Dies ist eins der wichtigen Dinge, die ich auf meiner Reise erfahren und lernen will..! Es wird bestimmt nicht einfach, das habe ich auch nie behauptet. Immer wenn man mir einen schönen Urlaub gewünscht hat, wusste ich ganz genau, Urlaub…nein, ein Urlaub wird es bestimmt nicht.

Es wird eine Reise… eine Reise zu mir selbst!

Instagram

@DanniMoto

2 Kommentare zu „#8 Ab in die Berge“

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du bist Offline !

Scroll to Top